Freitag, 16 November 2018

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Historisches

 

 

200 Jahre Vereinsgeschichte - Die Chronik der Stadtkapelle Achern

 

(erstellt anlässlich des 200-jährigen Vereinsjubiläums im Jahr 2008)

 

Einer Herausforderung der besonderen Art sahen sich die Verantwortlichen der Stadtkapelle Anfang des Jahres 2008 gegenüber, als ihr Verein plötzlich um fünf Jahre "gealtert" war und man sich damit auf einen Schlag mitten in einem Jubiläumsjahr befand. Was war geschehen? Funde im Acherner Stadtarchiv belegten, dass die Gründung der Stadtkapelle nicht mehr wie bisher angenommen im Jahre 1813 anzusiedeln war, sondern bereits im Jahre 1808.

 

 

Die daraufhin in der Jahreshauptversammlung im März 2008 von den Mitgliedern beschlossene Namensänderung des Vereins in "Stadtkapelle Achern 1808 e.V." brachte allerdings eine Reihe von dringend zu klärenden Fragen mit sich: In welcher Form soll das Jubeljahr begangen werden? Wie kann innerhalb nur eines halben Jahres ein Jubiläumsprogramm organisiert und auf die Beine gestellt werden? Und letztlich: Ist es möglich, eine Festschrift inklusive einer Chronik der 200-jährigen Geschichte der Stadtkapelle in diesem kurzen Zeitraum zu erstellen?

 

Das vorliegende Festbuch ist Beweis dafür, dass es möglich ist – allerdings wäre die Chronik sicher nicht in dieser Form realisierbar gewesen, hätten nicht die Chronisten früherer Jahre durch sorgfältige Aufarbeitung eines großen Teiles der Geschichte die Vorlage für den nun vervollständigten Bericht geliefert. Die folgenden Seiten stützen sich daher unter anderem auf die ausführliche Chronik zum 175-jährigen Jubiläum der Stadtkapelle im Jahr 1988, die von Dr. Raimund Haas verfasst wurde. Desweiteren konnten die verbleibenden "fünf-und-zwanzig" Jahre der Stadkapellen- Geschichte (fünf Jahre vor dem bisherigen Beginn der Zeitrechnung und 20 Jahre seit Erscheinen der letzten Festschrift) durch Unterstützung des Acherner Stadtarchives sowie durch private Berichtesammlungen ergänzt werden.

 

Eine Garantie auf Vollständigkeit kann daher nicht gegeben werden, was bereits schon vor rund 100 Jahren den Autor der Festschrift zum 100jährigen Jubiläum der Stadtkapelle Achern formulieren ließ:
"Wer die Brille zur Hand nimmt, in der Erwartung, eine erschöpfende Chronik der Stadtmusik zu lesen, der befindet sich auf dem Holzwege. (...) Hätten die heimgegangenen Väter der Stadtmusik geahnt, welche Schwierigkeiten sie dem späteren Lokalgeschichtenforscher bereiten, so hätten sie die paar Kreuzer nicht gescheut, hätten ein Merkbüchlein angekauft und die wichtigsten Vereinsbegebenheiten, der Nachwelt zuliebe, darin festgenagelt. So können wir nur das geben, was sich in dem Gedächtniswinkel eines alten Musikveteranen aufgespeichert vor fand."

 

 

 

Ein Eintrag in einem alten Rechnungsbuch belegt: In Achern wurde schon vor 200 Jahren musiziert.

 

"Stadtkapelle Achern 1813 e.V." – lange Jahre führte die Stadtkapelle ihr vermeintliches Gründungsjahr 1813 in ihrem Namen, doch im Vorfeld der diesjährigen Jubiläumsfeiern anlässlich der Stadtrechtsverleihung kam zutage, was manch Hobby-Historiker bereits vermutet haben mag: Die Stadtkapelle ist so alt wie die Stadtrechte. Es liegt nahe, dass sie bereits die Feierlichkeiten zur Ernennung der Stadt im Jahre 1808 musikalisch umrahmt hat.

 

 

 

Ein Eintrag in einem alten Rechnungsbuch belegt: In Achern wurde schon vor 200 Jahren musiziert.

"Stadtkapelle Achern 1813 e.V." – lange Jahre führte die Stadtkapelle ihr vermeintliches Gründungsjahr 1813 in ihrem Namen, doch im Vorfeld der diesjährigen Jubiläumsfeiern anlässlich der Stadtrechtsverleihung kam zutage, was manch Hobby-Historiker bereits vermutet haben mag: Die Stadtkapelle ist so alt wie die Stadtrechte. Es liegt nahe, dass sie bereits die Feierlichkeiten zur Ernennung der Stadt im Jahre 1808 musikalisch umrahmt hat.

 

Dass zu diesem Zeitpunkt, und auch schon früher, in Achern bereits musiziert wurde, bestätigt bereits der Chronist der im Jahr 1988 verfassten Festschrift. Er spricht davon, dass "schon 1808, als Achern zur Stadt erhoben wurde, eine türkische Musik im Festzug mit (marschierte), deren Paradeuniform in den nachfolgenden 100 Jahren zeitweise von der Stadtmusik übernommen wurde und bei öffentlichen Anlässen immer wieder in Erscheinung trat". Allein die historischen Belege dafür, dass es sich bei dieser Formation bereits um eine Stadtmusik handelte, fehlten bis dato – sie wurden erst zu Beginn des Jahres 2008 im Acherner Stadtarchiv gefunden. So beschreibt ein Eintrag in einem Rechnungsbeilagenbuch, dass bereits im Jahre 1806 der "Rösselwirt von Unterachern, Sebastian Zeller" zum "Freudenfest" (Freitenfest) sämtlichen Bürgern Wein und Essen "abgericht hat", einschliesslich der Acherner Stadtmusiker: "Sodan verzert der schulmeister Mit seinen Muzikanten sint über 16 Man und haben 16 Mas wein" (Quelle: Stadtarchiv Achern, Rechnungsbeilagen 1808/90).

 

Aus dem Jahre 1808 finden sich Hinweise auf die Anschaffung von neuen Fellen für die große Trommel, und der Verfasser war damals der Meinung, diese seien doch wohl aus der Gemeindekasse zu zahlen, weil "die türkische Musik bei Festen" der Gemeinde gewidmet sei: "Der Weißgerber Ignaz Weber von hier hat auf die große Trommel 2 Kalbfell geliefert, weilen die alten zersprungen waren. Die Kosten 6 fl. Ich denke, wielen die türkische Musik bey Festen und Sollemnitäten nur für die Gemeinde gewidmet ist, daß diese Felle auch sollten aus der Gemeinde Kasse bezahlet werden" (Quelle: Stadtarchiv Achern, Rechnungsbeilagen 1809/89). Dem Ansinnen wurde stattgegeben und die Felle wurden aus dem Gemeindesäckel bezahlt. Den Begriff "Stadtmusik" verwenden die Stadtschreiber erstmals in Aufzeichnungen aus den Jahren 1810 und 1812.

 

 

Vor 1808: Kirchen- und Militärmusik als Wegbereiter für die Stadtkapelle
Mit Ende des 30-jährigen Krieges, in dessen Verlauf Achern völlig zerstört wurde, im Jahre 1648 war auch jegliches kulturelle Leben vernichtet. Nur langsam konnte der Wiederaufbau vonstatten gehen, denn immer wieder wurden die Bewohner von feindlichen Heerzügen verjagt. 1675 fiel der französische Marschall Turenne im nahen Sasbach und noch 1701 errichtete Markgraf Ludwig Wilhelm, der "Türkenlouis", die Bühl- Stollhofener Linien zum Schutz seines Landes. Dadurch entwickelte sich erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts mit dem wirtschaftlichen Aufschwung auch wieder kulturelles Leben.

 

 

Musik und Gesang erblühten zunächst besonders im kirchlichen Rahmen. Das Zeitalter des Barock mit seinen Prozessionen, geistlichen Spielen und feierlichen Gottesdiensten drängte geradezu nach musikalischer Ausgestaltung. So fanden sich in den Kirchenrechnungen der Pfarrgemeinde "Unserer Lieben Frau" Achern seit 1691 laufend Ausgaben für Musikinstrumente wie Geigen, Viola, Klarinette, Fagott, Waldhorn und Trompete, auch für Reparatur oder für die Entlohnung der Musikanten. Beim Militär hingegen bewirkten die Spielleute, Pfeifer und Trompeter seit jeher den Gleichschritt der marschierenden Truppen, während die Trompeter und Pauker den Weckruf und Zapfenstreich kündeten und die Manöver- und Gefechtssignale gaben. Nach 1800 begann jedoch eine Umgestaltung der bis dahin zweckgebundenen, militärischen Funktionen der Blasmusik zu leistungsfähigen Konzertorchestern, für die durch den Bau neuartiger Instrumente wie Flügelhorn und Tenorhorn eine breitere musikalische Basis geschaffen wurde. Die technische Vervollkommnung der Holzblasinstrumente und die Konstruktion der Ventile für die Blechblasinstrumente waren hierzu bedeutende Faktoren. Besonders auch durch die Hereinnahme verschiedener Schlagwerke, die durch die Türkenkriege in Europa bekannt geworden waren, begannen sich zivile Bürgerwehren und Bürgermilizen nach militärischem Vorbild zu organisieren und erfüllten eine Vielfalt öffentlicher Aufgaben.

 

Bereits im Jahre 1557 war das Landgericht Achern als Teil der Ortenau zum Kaiserhaus Österreich zurückgekehrt. So überrascht es nicht, dass auch Acherner Bürgersöhne ihren Militärdienst in Wien abzuleisten hatten. Dies war der Fall bei dem Schmiedegesellen Sebastian Ernst, später Schmiedbasche genannt, und beim nachherigen Ratschreiber Weber in der Zeit um 1800. In jenen Tagen hatte der Kapellmeister ihres Regiments zwei Musikerstellen zu besetzen, und da die beiden Acherner musikalisch bereits vorgebildet waren, konnten sie in ihre Regimentskapelle eintreten und weitere Ausbildung erfahren. Nach beendeter Dienstpflicht zogen beide musikbeladen heimwärts. Schmiedbasche Ernst und Ratschreiber Weber dürfen dabei als Gründungsdirigenten der jungen Stadtkapelle gelten.

 

1808 - 1913: Aufbaujahre der Stadtkapelle
Höhepunkt des Lebens war damals der Fronleichnamstag, an dem die stattliche Bürgergarde zur Parade ausrückte, und bei welcher die Stadtmusik nicht fehlen durfte. Auch bei weltlichen Anlässen spielte die Stadtkapelle damals schon auf, sei es im Oktober 1812 bei einem "Fest auf den Erbgroßherzog", bei der Feier am 18. Oktober 1814, als man der Völkerschlacht bei Leipzig gedachte, oder bei der Grundsteinlegung zur Anstalt Illenau im Jahre 1839.

 

Ratschreiber Weber hielt den Dirigentenstab bis zum Revolutionsjahr 1848 und wurde durch den "Schmiedbasche" als Vizedirigent energisch unterstützt, wobei man sagte, dass der "Basche" als der musikalisch Größere weit mehr Schick zum Dirigieren gehabt hätte als Weber. In der Folge übernahm Seifensieder Jülg das musikalische Ruder und dieser wurde im Jahre 1860 von Oberlehrer Würtemberger abgelöst. In den Jahren 1864 - 1870 hatte Sparkassenrechner Roth die Leitung. Im Jahre 1870, als sich kein Nachfolger finden wollte, dirigierte der treffliche Klarinettist und Bäckermeister Jerger bis 1876 und sprang nochmals bis 1879 ein, nachdem die Kapelle im Jahre 1877 ohne Dirigent und zum öffentlichen Auftreten nicht in der Lage war.

 

Bis in diese Zeit hinein hatte sich die schöne Sitte erhalten, die Acherner Einwohnerschaft an einigen Festtagen durch "Wanderkonzerte" zu erfreuen. Zuerst wurden bei der Nikolauskapelle einige Stücke vom Stapel gelassen, worauf man dann am Adlerplatz weiterspielte und sich darauf bei den ehemaligen Gaststätte "Sonne" und "Zähringer Hof" stärkte. Hierauf bekamen der amtierende Herr Bürgermeister und sodann der Herr Stadtpfarrer sein Ständchen. Nach einer halbjährigen dirigentenlosen Pause ergriff Schreinermeister Fritz Baumgratz das Ruder und sorgte für den längst fälligen Nachwuchs innerhalb der Stadtkapelle und brachte auch die Gesamtkapelle ein großes Stück weiter. Unter Baumgratz bestand der menschenfreundliche Brauch, an den Probeabenden ein Fäßlein Bier zu öffnen. Nach seinem Tode übernahm der Bildhauer Gustav Rapp den Dirigentenstab und baute das übernommene Erbe weiter aus. Er war auch kompositorisch tätig, und bei zahlreichen Konzerten und Musikfesten erklangen seine Werke. Unter seiner Leitung und Organisation wurde das (nach damaligem Kenntnisstand) erste Jahrhundert der Stadtkapelle Achern mit einem glänzend organisierten Musikfest mit Preisspiel am 22. Juni 1913 beschlossen, an welchem auch die Musikvereine der heutigen Stadtteile Oberachern, Önsbach und Wagshurst teilnahmen.

 

 

1914 – 1945: Die Stadtkapelle zwischen den beiden Weltkriegen
Der Ausbruch des 1. Weltkrieg 1914 bedeutete einen tief greifenden Einschnitt in der Vereinsgeschichte. Durch zahlreiche Einberufungen zum Heeresdienst erlahmte die Vereinstätigkeit mehr und mehr und musste zuletzt ganz eingestellt werden. Zudem verstarb im Jahr 1917 der langjährige Dirigent der Stadtkapelle, Gustav Rapp.Nach dem Krieg begann man unverzagt mit dem Wiederaufbau der Stadtkapelle.

 

 

Im Februar 1919 übernahm Franz Anton Pretet die Vorstandschaft. Ihm und Bürgermeister Schechter war es zu verdanken, dass so bald nach dem Krieg wieder eine spielfähige Kapelle erstand. Von 1918 bis 1920 war Kaufmann Risser, von 1920 bis 1922 aushilfsweise Kapellmeister Krüger aus Bühl im Dirigentenamt tätig, wobei besonders die Konzerte bei den alljährlich stattfindenden Acherner Pferderennen auf der ehemaligen Rennwiese Beachtung fanden. Wiederum Bürgermeister Schechter sowie dem damaligen Gemeinderat gelang es, Musikdirektor Carl Pfettscher zur Übernahme des Dirigentenpostens nach Achern zu bewegen. Unter seiner Leitung nahm die Stadtkapelle einen großartigen Aufschwung. Bereits im Mai 1924 erspielten die Musiker unter Pfettschers Leitung beim Wertungsspiel in Oberachern die Tagesbestleistung, und im Juni 1926 errang die Stadtkapelle in Freudenstadt einen 1a-Preis. Im gleichen Jahr verzog Pfettscher jedoch nach Offenburg, empfahl jedoch seinen früheren Kollegen Alois Kern als Nachfolger.

 

1926: Alois Kern kommt nach Achern.
Wer die schriftlichen Unterlagen der Stadtkapelle aufmerksam studiert, wird anerkennen, dass mit der Dirigentenübernahme durch Alois Kern am 2. Juli 1926 ein ganz besonderer Zeitabschnitt für die Stadtkapelle begann. Bereits im Juli fand auf dem Rennplatz unter seiner Leitung das erste Konzert statt. Kern übernahm auch das wiedergegründete Streichorchester, den Männergesangverein Liederkranz und den Katholischen Kirchenchor. Ein Jahr später gründete er eine Jugendkapelle, die 32 junge Leute im Alter von 14 bis 20 Jahren umfasste und die schon im Frühjahr 1928 dem Gemeinderat mit dem Vortrag zweier Märsche vorgestellt werden konnte. Durch Kapellmeister Kern hat das gesamte Musikleben Acherns einen gewaltigen Aufschwung genommen, und wo immer sich die Stadtkapelle präsentierte, war ihr Auftreten mit großer Zuhörerschaft und Erfolg verbunden. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen aus dieser Zeit belegen dies.

 

Alois Kern war in der Acherner Bevölkerung außerordentlich beliebt. Er verstand es, Alt und Jung gleichermaßen für die Musik zu begeistern. So führte er auch ein, die heranwachsenden Jungmusiker nach erreichtem Leistungsstand bei Übernahme in die Stadtkapelle feierlich zu verpflichten. Als nach Ausbruch der Weltwirtschaftskrise die Zahl der Erwerbslosen stieg, wurde der Reinerlös von mehreren Operetten, die unter Kapellmeister Kerns Leitung mit einheimischen Kräften geboten wurden, zur Verfügung gestellt. In Anbetracht seiner großen Verdienste wurde Alois Kern 1931 zum Städtischen Musikdirektor ernannt. Zahlreiche Konzerte sowie einige Konzertreisen steigerten die Beliebtheit des Blasorchesters.

 

Im Jahre 1935 trat der langjährige Vorstand Franz Pretet zurück und Franz Geiser übernahm das Ruder. Zur damaligen Zeit waren 120 - 150 Proben und Veranstaltungen pro Jahr keine Seltenheit und trotzdem fand man im August 1938 noch Zeit, das 120jährige Jubiläum, das mit dem Bezirksmusikfest der Bezirke Baden-Baden und Rastatt verbunden war, gebührend zu feiern. Im Juli 1939 besuchte die Stadtkapelle im Rahmen einer zehntägigen Konzertreise die Heimat des Dirigenten, Schlaggenwald im Sudetengau; dann unterbrach der 2. Weltkrieg die stetige Aufwärtsentwicklung. Während der ersten Kriegsjahre wurden die Vereinsaktivitäten mit verminderter Musikerzahl weitergeführt, doch mehr und mehr verzeichnet das Protokollbuch die Teilnahme an Beerdigungen. Am 7. Mai 1943 verstarb nach einer Operation Musikdirektor Alois Kern. Die schwierige Vereinsführung in den letzten Kriegsjahren oblag nun Franz Geiser, der die Kapelle bis zum Luftangriff am 7. Januar 1945 unter schwierigsten Verhältnissen führte. Am 15. April 1945 erfolgte die Besetzung Acherns durch französische Streitkräfte. Durch den besonderen Einsatz von Franz Geiser und Otto Frommann konnte das wertvolle und für heutige Verhältnisse unwiederbringliche Notenmaterial gerettet und sichergestellt werden, ebenso die in mühevoller Probenarbeit errungenen Pokale. Wie Geiser später erzählte, hatte man Noten und Pokale im Hochspannungstrakt des Überlandwerkes untergebracht.

 

1946 – 1961: Die Stadtkapelle im Aufwind der Nachkriegsjahre
Nach kurzer Zwangspause begannen die verbliebenen Mitglieder im Spätsommer 1945 wieder mit der Probenarbeit und spielten bei den üblichen Anlässen. Neuer Dirigent wurde im Jahr 1946 Karl Volz aus Steinbach. Nachdem die Stadtkapelle unter Führung von Bürgermeister Morgenthaler und Franz Geiser sowie einigen weiteren Mitgliedern bei der französischen Militärregierung um Genehmigung nachgesucht hatten, konnte am 7. Juni 1947 die Stadtkapelle neu konstituiert werden. Franz Geiser übernahm den Posten als 1. Vorsitzender, die Kapelle blühte auf und fand erfreulichen Zuspruch bei der Bevölkerung. Als jedoch Dirigent Karl Volz bereits nach zwei Jahren aus beruflichen Gründen Achern verließ, übernahm das langjährige Stadtkapellenmitglied Adolf Sattler daraufhin die Leitung der Kapelle. Mit der Berufung von Hauptlehrer Hans Schmid zum 1. Vorsitzenden hatte die Stadtkapelle in der Generalversammlung 1949 einen wichtigen Schritt getan, die ernsten und sorgenvollen Nachkriegsjahre heil zu überstehen. Verstand er es doch hervorragend, den durch die Kriegsjahre dünner gewordenen Klangkörper moralisch zu festigen und auch die sich auftuende Dirigentenkrise zu meistern. Nachdem W. Götze aus Oberprechtal die Direktion 1949/50 innehatte, übernahm Musikdirektor Hans Röschke aus Baden-Baden im August 1950 den Taktstock. Rasch gingen die Leistungen der Kapelle aufwärts. Bei den Acherner Heimattagen, den zahlreichen Standund Promenadenkonzerten sowie dem Musikfest 1954 in Oberkirch, wo in der Oberstufe die Note "hervorragend" erspielt wurde, durften Dirigent und Musiker stets großen Beifall entgegennehmen.

 

Am 8. November 1955 spielte die Stadtkapelle gemeinsam mit der Liedertafel dem neugewählten Bürgermeister Kraemer ein Ständchen, und am 27. Januar 1956 fand zur Feier des 200. Geburtstages von W.A. Mozart bei winterlich-feuchter Witterung beim ehemaligen Gasthaus "Engel" sogar ein Serenadenkonzert im Freien statt. Zwischenzeitlich war es in der Stadtmusik zu einer schleichenden Krise gekommen. Trotz redlicher Bemühungen von Vizedirigent und Jugendausbilder Franz Geiser, der in Musikdirektor Röschke nicht die erfolgreiche Unterstützung in der Heranbildung von Zöglingen fand, sah man sich gezwungen, nach einem anderen Dirigenten Umschau zu halten. Karl Sauer erklärte sich bereit, bis zur Berufung eines neuen Stadtkapellmeisters die musikalische Leitung zu übernehmen. Ein halbes Jahr später, zum 1. März 1957 entschied man sich im Einvernehmen mit dem Gemeinderat für Musiklehrer Gerhard Berberich, der sich von Anfang an im Sinne von Alois Kern um die Stadtkapelle und deren Jugendausbildung bemühte. Bereits zum Herbstkonzert des gleichen Jahres bereicherte ein Fanfarenzug das Konzertprogramm. Das Jahr 1958 brachte der Stadtkapelle zwei wichtige Aufgaben: das 150jährige Stadtjubiläum und ein Besuch der französischen Stadt Essey-les-Nancy. Diese Konzertreise nach Lothringen in Begleitung der Volkstanzgruppe Sasbachwalden wurde zum denkbar größten Erfolg. In der Folge fanden zahlreiche Gegenbesuche der beiden Kapellen statt. Auch mit der traditionsreichen Kapelle "Vaillant-Saint-Fiacre" aus Nancy wurden Freundschaftsbande geknüpft. Bereits im Jahre 1959 übergab der verdienstvolle Lenker der Stadtkapelle, Hauptlehrer Hans Schmid, die Geschäfte als 1. Vorsitzender Herrn Wilhelm Schwenk und verfolgte als Ehrenvorsitzender mit unverändertem Interesse die Geschicke des Vereins. Im darauffolgenden Jahr erhielt die Stadtkapelle nach rund 150 Jahren des Bestehens erstmals eine Satzung. Durch Kündigung seitens des Dirigenten wurde auf März 1961 die Leitung der Kapelle frei. Wilhelm Schwenk war es, der durch seine weitreichenden Verbindungen als Acherner Geschäftsmann einen geeigneten Nachfolger, Musikmeister Willy Schütz aus Hattert im Westerwald, empfehlen konnte, der in den folgenden 20 Jahren die musikalischen Akzente in Achern setzte.

 

1961 – 1982: Die Stadtkapelle unter Willy Schütz
Der Start mit dem neuen Dirigenten begann furios: Nach gründlicher Vorbereitung fand im gleichen Jahr ein Herbstkonzert und darauffolgend ein Frühjahrskonzert 1962 statt. Unter seiner zielstrebigen Leitung konnte man schon Mitte 1962 bei den 4. Weltmusikfestspielen im holländischen Kerkrade, einem Wettstreit von Musikkapellen aus 30 Nationen, mit dem 3. Platz eine Bronzemedaille mit nach Hause bringen. Das Herbstkonzert im gleichen Jahr wurde als Doppelkonzert mit der Stadtkapelle Kehl-Sundheim veranstaltet, welche ebenfalls unter Leitung von Willy Schütz erfolgreich in Kerkrade musizierte.  Einen weiteren Erfolg erspielte sich die Stadtkapelle beim Bundesmusikfest 1963 in Offenburg, als sie in der Oberstufe das höchste zu vergebende Prädikat "hervorragend" erhielt. Bei dem im Jahre 1964 um ein Jahr verschobenen Jubiläum zum 150jährigen Bestehen, feierte die Stadtkapelle mit Festakt, großem Festkonzert, Ehrenspiel, Festzug und Unterhaltungsabend ihren Ehrentag verbunden mit dem Verbandsmusikfest des Acher-Renchtal-Musikverbandes. Im Verlauf des Jubiläums wurde Willy Schütz für seine Verdienste um die Entwicklung des Acherner Musiklebens der Titel eines Städtischen Musikdirektors verliehen. Die Generalversammlung 1965 brachte dann einen wohlüberlegten Vorstandswechsel. Ratschreiber Horst Deufel übernahm die Position des 1. Vorsitzenden, und der verdienstvolle Wilhelm Schwenk wurde zum Präsidenten der Stadtkapelle ernannt. Deufel verstand es außerordentlich gut, die sich zu Ende der 60er Jahre einstellenden Probleme der Stadtkapelle zu meistern: Publikumsschwund und Nachwuchsmisere. Die beliebten Stadtgarten-Lichterfeste wurden eingeführt, und die traditionellen Frühjahrs- und Herbstkonzerte ab 1971 in das St. Josefshaus verlegt. Gleichzeitig gab Deufel die entscheidenden Impulse für eine verbesserte Vereinsharmonie, die in Form von geselligen Veranstaltungen und Kameradschaftstreffen der Aktiven, auch mit Ehefrauen, sowie mit einer Reihe von Vereinsausflügen geprägt waren. In schwieriger Zeit begannen Musikdirektor Schütz und die Aktiven Raimund Haas und Otto Koschenz auf Betreiben des 1. Vorsitzenden mit einem neuen Anlauf zur Ausbildung von Nachwuchsmusikern, der bald erfolgreich sein sollte. Am 21. Mai 1971 erhielt die Stadtkapelle im Rahmen einer Feierstunde im Bürgersaal die "PRO-MUSICA-Plakette". Im Juni des gleichen Jahres weilte letztmals die französische Kapelle "Vaillant-Saint-Fiacre" zu einem Besuch in Achern. Niemand konnte ahnen, dass wenige Monate später mit dem Tod der Präsidenten beider Kapellen, diese deutsch-französische Verbindung beendet sein sollte.

 

Mit dem Herbstkonzert 1972, das erstmals als Doppelkonzert durchgeführt wurde, begann eine bis zum Jahre 1986 reichende Veranstaltungsreihe, die viele befreundete Musikkapellen nach Achern brachte. Zur Generalversammlung 1973 konnte die Stadtkapelle unter Leitung des Vizedirigenten Raimund Haas eine neue Jugendkapelle vorstellen, die bald darauf die Lücken der Stadtkapelle auffüllte. Im Jahre 1977 beteiligte sich die Stadtkapelle an einer neuerblühenden deutsch-französischen Freundschaft, die zu einem offiziellen Besuch von Stadtverwaltung und Acherner Vereinen in die französische Jurastadt Morez führte. Die musikalische Jumelage mit der "Harmonie" Municipale Morez fand ein Jahr später beim Gegenbesuch in Achern ihre Fortsetzung. Neben den bewährten Veranstaltungen wagte man unter Leitung von Musikdirektor Schütz im Frühjahr 1979 das erste kirchenmusikalische Konzert in der katholischen Pfarrkirche, sowie ein Jahr später das erste Konzert im Pavillon "Josephine" in der Orangerie zu Straßburg. Die Generalversammlung 1981 brachte dann für die Stadtkapelle einen Generationswechsel. Nach vorausgegangener schwerer Krankheit legte Musikdirektor Willy Schütz nach 20jähriger Dirigententätigkeit den Taktstock nieder. Als Nachfolger des bisherigen 1. Vorsitzenden Horst Manfred Deufel, der 16 Jahre lang die Geschicke der Stadtkapelle mit viel Energie, Umsicht und Einsatzfreude geleitet hatte, wurde Stadtrat Siegfried Bank gewählt. In Anerkennung seiner besonderen Verdienste wurde Horst Deufel zum Ehrenvorsitzenden ernannt, während Musikdirektor Willy Schütz durch ein Abschiedskonzert in der Hornisgrindehalle geehrt und verabschiedet wurde.

 

 

Die Ausschreibung der Dirigentenstelle durch die Stadtverwaltung unter Oberbürgermeister Winfried Rosenfelder im Jahr 1981 brachte ein Novum: Die neu zu besetzende Stelle umfasste neben der musikalischen Leitung der Stadtkapelle, und damit verbunden auch der Ausbildung des Musikernachwuchses, in Personalunion auch die Leitung der Acherner Zweigstelle der Musikschule Offenburg, deren Bedeutung im Musikschulverbund stetig zunahm. Der langjährige aktive Musiker Dr. Raimund Haas übernahm übergangsweise den Dirigentenposten, bis schließlich im Frühjahr 1982 unter der Leitung des neuen Dirigenten Rudolf Heidler die erste Probe absolviert werden konnte.

 

Rückblickend kann gesagt werden, dass durch die Verpflichtung von Rudolf Heidler eine weitere Glanzzeit der Stadtkapelle eingeleitet wurde, die mit bedeutenden und bis weit in die Zukunft reichenden Veränderungen verbunden war und ist.

 

Von Beginn an widmete sich der studierte Orchestermusiker und Musikpädagoge erfolgreich der Ausbildung von Nachwuchsmusikern. Unterstützt durch die Vorstandschaft um Siegfried Bank gelang es Rudolf Heidler in kürzester Zeit, sein Konzept der Jugendwerbung und gezielten qualitativen Jungmusikerausbildung umzusetzen und so den Stamm der Kapelle zu vergrößern. Daneben gelang es Rudolf Heidler immer wieder, gute Instrumentalisten, die bislang nicht den Weg zur Stadtkapelle gefunden hatten, für die Mitwirkung im Orchester der Stadtkapelle zu interessieren und motivieren. Als Beispiele seien an dieser Stelle Rudolf Döbler (heute Soloflötist beim Rundfunkorchester Berlin), Christopher Corbett (Soloklarinettist am Bayerischen Rundfunk), Johanna Dömötör (Soloflötistin Theater Kaiserslautern) oder Sebastian Schindler (Solohornist Sinfonieorchester Bern) genannt.
Dass Rudolf Heidler nicht zu Unrecht als "Macher" gilt, beweist eine Randgeschichte anlässlich des ersten Herbstkonzertes unter seiner Leitung. Mussten sich die Musiker bis dahin auf den Bänken der Teleskoptribüne in der Hornisgrindehalle platzieren, also auf Plätzen ohne Rückenlehne, so wurde durch Heidlers Initiative beim Konzert 1982 eine Bühne auf der gegenüberliegenden Seite der Hornisgrindehalle aus Europaletten zusammengestellt. Die Maßnahme zeigte Wirkung: Postwendend wurde die Anschaffung von professionellen Bühnenpodesten durch OB Winfried Rosenfelder genehmigt.

 

Alois Kern war in der Acherner Bevölkerung außerordentlich beliebt. Er verstand es, Alt und Jung gleichermaßen für die Musik zu begeistern. So führte er auch ein, die heranwachsenden Jungmusiker nach erreichtem Leistungsstand bei Übernahme in die Stadtkapelle feierlich zu verpflichten. Als nach Ausbruch der Weltwirtschaftskrise die Zahl der Erwerbslosen stieg, wurde der Reinerlös von mehreren Operetten, die unter Kapellmeister Kerns Leitung mit einheimischen Kräften geboten wurden, zur Verfügung gestellt. In Anbetracht seiner großen Verdienste wurde Alois Kern 1931 zum Städtischen Musikdirektor ernannt. Zahlreiche Konzerte sowie einige Konzertreisen steigerten die Beliebtheit des Blasorchesters.

 

Neben einem großen Jahreskonzert, so die Philosophie Heidlers, sollten auch regelmäßig weitere musikalische Akzente im Jahresablauf der Stadt gesetzt werden. Der Anfang wurde gemacht mit einem Kirchenkonzert im Jahre 1983. Im Herbstkonzert 1983 wurde dann gemeinsam mit der 33. US Army Band, Heidelberg, das 170jährige Jubiläum der Stadtkapelle gefeiert, und anlässlich der Stadtjubiläumsfeierlichkeiten "175 Jahre Stadtrechte Achern" im Juli 1984, die mit einem Gesamtchor der Acherner Musikkapellen unter Leitung von Rudolf Heidler im Stadtgarten ihren Höhepunkt fanden, ein Großteil des Festprogramms mitgestaltet. Die Vereinsführung ging nach stetiger Aufwärtsentwicklung im Jahre 1986 von Siegfried Bank auf Regierungsamtsrat Peter Bauer über. Im Jahr 1987 besuchte die Stadtkapelle zum 10jährigen Bestehen der Partnerschaft Morez/Achern die französischen Musikfreunde. Im gleichen Jahr fand erstmals unter dem Motto "Russischer Abend" in der Hornisgrindehalle ein reines "Stuhlreihenkonzert" statt. Anfängliche Bedenken, ob das traditionelle Herbstkonzert der Stadtkapelle fortan als Konzertabend im Sinne des Wortes verstanden werden und daher in erster Linie die musikalische Darbietung im Vordergrund stehen sollte und weniger der Wirtschaftsbetrieb, wurden durch den nachhaltigen Erfolg entkräftet. Mit über 1000 Konzertbesuchern übertraf das Konzert alle Erwartungen der Vereinsführung und begeisterte das Publikum durch seine gelungene Mischung von klassischer Orchestermusik, Ballett- und Gesangsdarbietungen. Es kann daher aus heutiger Sicht als "der" Meilenstein auf dem Weg der Stadtkapelle hin zum Sinfonischen Blasorchester von Rang bezeichnet werden. Ebenfalls 1987 wurden die Weichen gestellt für eine bessere Unterbringung der im Keller der Realschule untergebrachten Kapelle. Heimat des neuen Probelokales wurden die Räumlichkeiten des ehemaligen Jugendzentrum "Zoff" beim Acherner Stadion.

 

Das Jubiläumsjahr 1988 wurde mit einem Kirchenkonzert eröffnet, in dem unter anderem das musikalische Märchen "Peter und der Wolf" in Originalfassung aufgeführt wurde. Die fortgeschrittene musikalische Entwicklung vieler junger Instrumentalisten machte dies möglich. Zum Jahreskonzert gaben sich befreundete Gastsolisten aus dem Sinfonieorchester des damaligen Südwestfunks, bei dem Rudolf Heidler bis zu dieser Zeit regelmäßig mitwirkte, ein Stelldichein. Abgerundet wurde das Jubiläumsjahr durch einen Festakt im Bürgersaal sowie einem viertägigen Fest der Blasmusik im Stadtgarten.
Die Erfolge der in Kooperation mit den Musikschulen Offenburg und später Achern-Oberkirch durchgeführten Instrumentalausbildung zeigten sich in den beiden Jahreskonzerten der Jahre 1989 und 1990. Waren Acherner Nachwuchsmusiker 1989 Teil des als Gastorchester verpflichteten Landesblasorchster (LBO), konnte im Folgejahr eine Solistengala mit ausschließlich eigenen Solisten veranstaltet werden. Mit der Konzertsaison 1991 wurden die beiden Kammerkonzerte der Stadtkapelle in der Alten Kirche Fautenbach wiederkehrender Bestandteil der gleichnamigen Konzertreihe, und damit des offiziellen Veranstaltungsprogramm "gong" der Stadt Achern. Die "Alte Kirche Fautenbach" bot den Acherner Laienmusikern – viele inzwischen zu erfolgreichen und vielfachen Preisträgern herangewachsen – ein ideales Forum ihr Können in Kammerensembles darbieten zu können. Das unter dem Motto "Concerto Surprise" laufende Jahreskonzert im gleichen Jahr beendete die ersten zehn Jahre der Dirigententätigkeit von Rudolf Heidler.

 

Aufgrund der Erfahrungen der frühen 90er Jahre kamen die Verantwortlichen der Stadtkapelle zu dem Schluss, dass Aufwand und Ertrag eines jährlichen Zeltfestes wie des Lichterfestes in keinem zu rechtfertigenden Verhältnis mehr standen, man verzichtete fortan auf diese Form der Veranstaltung (erst mit der Einführung der Serenadenabende im Innenhof der Illenau im Jahre 2004 wurde wieder eine Open-Air-Veranstaltung mit Wirtschaftbetrieb in den Jahreskalender aufgenommen). Der Schwerpunkt des öffentlichen Auftretens verlagerte sich daher nach und nach auf Gastspiele überwiegend konzertanter Art, wie zum Beispiel die Konzerte in der Orangerie in Straßburg oder auch die Konzertreisen nach Hachenburg im Westerwald. Ein weiterer musikalischer Meilenstein wurde 1993 mit dem Jahreskonzert "Broadway, Broadway, Broadway" gesetzt, in dem der American Way of Life programmatisch durch die Klaviersolistin Susanne Fink, die Sänger Dick Doyle und Dieter Schmieg und die Ballettschule Lia Dillen und Petra Hoppe umgesetzt und durch ein Bühnenbild von Franz Rothmund umrahmt wurde. Die Presse schrieb: "Die Stadtkapelle setzt ganz neue Maßstäbe". Die Vereinsführung war zwischenzeitlich durch die berufsbedingte Versetzung Peter Bauers auf Eberhard Perk übergegangen.

 

In den Kammerkonzerten in der Alten Kirche Fautenbach des Jahres 1995 kam eine Interpretation der Originalfassung des Karnevals der Tiere zu Gehör, und im selben Jahr wurde beim Jahreskonzert erstmals – und wiederum in der Originalfassung – der berühmte Bolero von Maurice Ravel aufgeführt. Ebenfalls in die Kategorie "musikalische Highlights" gehört das Konzert für Violoncello und Blasorchester von Friedrich Gulda, das im Jahreskonzert des Folgejahres mit dem Solisten Reinhard Latzko, seines Zeichens Solocellist beim SWRSinfonieorchester, dargeboten wurde. Im gleichen Jahr wurde Rudolf Heidler zum Städtischen Musikdirektor der Stadt Achern ernannt.

 

Eine Konzertreise ins sächsische Fraureuth führte die Stadtkapelle 1994 auch mit Größen der deutschen Fernsehunterhaltung zusammen. Anlässlich der Einweihung einer neuen, vom Acherner Bauunternehmen Bold erstellten Festhalle gestaltete die Stadtkapelle den großen Unterhaltungsabend. Gemeinsam mit Joachim Fuchsberger und den Kessler-Zwillingen wurde die Stadtkapelle an diesem Abend frenetisch gefeiert und konnte auch großes Lob von "Blacky" Fuchsberger einheimsen.
Im Jahr 1996 verstarb der Ehrenvorsitzende Horst Deufel, dem die Stadtkapelle sehr viel zu verdanken hat.

 

Schon vor dem Abzug der französischen Streitkräfte aus Achern im Jahr 1996 wurde auf Betreiben von Eberhard Morbach, einem prägenden Mitglied des Städtepartnerschafts- Komitees mit der französischen Partnerstadt Morez, die Konzertreihe "Concert de l´amitié" ins Leben gerufen, die gemeinsam mit französischen Militär Orchestern wie dem Orchester des "42-ième Regiment de Transmissions" bis heute stattfinden. Morbach, von 1998 an selbst 1. Vorsitzender der Stadkapelle, konnte sich diesbezüglich optimal einbringen. Aus der Erkenntnis, dass sich die Stadtkapelle zwischenzeitlich zu einem Sinfonischen Blasorchester entwickelt hatte und dementsprechend das "Management" entsprechend ausgerichtet werden musste, schlug Morbach in einem Schreiben an die Mitglieder Dr. Dieter Höhr als Nachfolger im Vorsitz vor.

 

Eine neue Form der Konzertveranstaltung wurde 1997 geboren: Unter dem Motto "The Show must go on" lud die Sparkasse Achern zur ersten Sparkassen-Gala, initiiert durch Direktor Edgar Schnurr und Rudolf Heidler und gestaltet von der Stadtkapelle Achern. Ebenfalls in diesem Jahr konnte beim internationalen Wettbewerb im Rahmen des Bundesmusikfests des BDB im "klingenden Drei- Länder-Eck" das beste Ergebnis aller teilnehmenden Orchester in der Höchststufe gefeiert werden. Im Jahreskonzert 1997, das unter dem Motto "Bella Italia" die Hornisgrindehalle wiederum mit nahezu 1000 Besuchern füllte, konnte der neue Vorsitzende Dieter Schmieg neben der Moderation auch musikalisch als Gesangssolist Akzente setzen. Eine Fortsetzung der Jahreskonzerte unter einem bestimmten Motto fand im Folgejahr statt: "I got rhythm" war der Titel für ein weitgehend amerikanisches Programm, in dessen Verlauf unter anderem die Dreigroschenmusik von Brecht/Weil aufgeführt wurde. Eine feste Größe bei den Konzerten der Stadtkapelle ist seither Moderatorin Ines Pasz vom SWR.

 

Bei der Sparkassen-Gala 2001 unter dem Motto "Viva Espana" konnte der junge Gitarrist Hannes Kühn aus Achern das zahlreiche Publikum mit dem "Concierto de Aranjuez" restlos begeistern. Neu im Solisten-Ensemble der Stadtkapelle war auch die Sopranistin Patricia Maier, die seither bereits mehrfach ihr großes Können gemeinsam mit der Stadtkapelle unter Beweis stellen konnte. Auf vielfachen Wunsch wurde nochmals Ravels Bolero auflegt, neuerdings jedoch in der szenischen Originalfassung mit getanztem Ballett. Mit dem Jahreskonzert 2001 konnte auch das zwanzigste Dienstjahr Rudolf Heidlers gefeiert werden, und so standen unter dem Motto "Best of – 20 Jahre Rudolf Heidler" musikalische Highlights wie die "Armenischen Tänze", "Serenade for Wind Band" und Liszts "Fantasie über ungarische Volksweisen" mit dem Klaviersolisten Roman Kühn auf dem Programm. Im gleichen Jahr konnten mehrere Mitglieder der Stadtkapelle Achern beim Weltjugendorchester in Schladming bei der MidEurope mitwirken – wiederum ein Beweis für den Erfolg des verfolgten Ausbildungskonzeptes. Im folgenden Jahr konnte dann zum ersten Mal das Jugendorchester der Stadtkapelle das Jahreskonzert eröffnen.

 

190 Jahre Stadtkapelle Achern wurden im Jahr 2003 gefeiert. Konzerte in Straßburg, bei der Sparkassen-Gala sowie in Waldshut waren ebenso Bestandteil des Jubiläumsprogrammes wie die Aufführung der"Messe Nr. 2 in e-Moll", einem Originalwerk für Chor, Solisten und Bläser von Anton Bruckner, das gemeinsam mit dem Motettenchor Achern und dem Jungen Chor Fautenbach in der Katholischen Stadtkirche aufgeführt wurde. Die Weichen für die zukünftige Ausrichtung der Stadtkapelle wurden gestellt, als mit Bernhard Roloff, der bereits mehrere Jahre stellvertretend und kommissarisch den Vorsitz innehatte, ein neuer erster Vorsitzender von der Mitgliederversammlung gewählt wurde. Unter Roloffs zielstrebiger und fortschrittlicher Vereinsführung wurden die Herausforderungen, die sich aus sich wandelnden Gesellschaftsnormen und einem veränderten Freizeitverhalten ergaben, erkannt und angegangen – die Stadtkapelle damit zukunftsfähig gemacht.

 

Das Jahreskonzert 2005 brachte mit dem Sinfonischen Verbandsjugendblasorchester des Acher-Renchtal- Musikverbandes seit längerer Zeit wieder ein Gastorchester nach Achern. Im Folgejahr gab es wieder Grund zu feiern: Das 25-jährige Dirigenten-Jubiläum des Stadtmusikdirektors wurde mit Kammerkonzerten in der Alten Kirche Fautenbach eröffnet, bei denen in der Programmabfolge der exzellenten Kammermusik- Ensembles erstmals auch das Seniorenorchester der Stadtkapelle, die SKAuHuS zu hören waren. Als Dankeschön an ihren musikalischen Förderer Rudolf Heidler spielten mit Christopher Corbett, Klarinette und Johanna Dömötör an der Flöte zwei ehemalige Schüler, die zwischenzeitlich als Musiker Karriere gemacht hatten, die "Carmen- Suite". Im Rahmen des Jahreskonzertes wurde Rudolf Heidler verdientermaßen zum Ehrendirigenten der Stadtkapelle ernannt – erstmals in der Geschichte der Stadtkapelle wurde diese Ehre einem aktiven Dirigenten zuteil. Die Musiker bedankten sich zum Abschluss des Konzertes mit einem eigens einstudierten und arrangierten Überraschungsstück mit dem Thema "Danke Rudolf!"

 

Eine Auszeichnung besonderer Art erhielten die Musiker der Stadtkapelle im Frühjahr 2007, als sie eine Einladung zu den Innsbrucker Promenadenkonzerten erhielten, einer Konzertreihe, bei der üblicherweise ausschließlich Berufsorchester musizieren. Die erfolgreiche Konzertreise nach Innsbruck mit dem Matineekonzert im Innenhof der kaiserlichen Hofburg wurde auf Einladung der Stadtverwaltung Bozen noch um ein Konzert vor Ort erweitert. Im Jahreskonzert des gleichen Jahres konnte sich Rudolf Heidler dann einen musikalischen Traum erfüllen, als Wagners "Wallkürenritt" in der Originalfassung vom 115 Musiker umfassenden Orchester gegeben wurde. Die Stadtkapellen aus Kenzingen und Achern, beide unter der Leitung von Rudolf Heidler, gestalteten das Konzertprogramm hierbei als Gesamtorchester.

 

Bereits im Jahr 2007 hatte Heidler auch die Idee, anlässlich der Feiern zur Stadtrechtsverleihung Acherns vor 200 Jahren Mozarts Oper "Die Zauberflöte" in der Fassung für Harmoniemusik aufzuführen, Oberbürgermeister Köstlin vorgetragen und seitens der Stadt grünes Licht dafür erhalten. Mozart selbst hatte schon zu Lebzeiten seine Opern (auszugsweise) für Bläserensembles gesetzt um diese einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Anfang der 1990er Jahre wurde die Harmoniefassung der Zauberflöte exklusiv für das Rundfunkblasorchester Leipzig gewissermaßen vollendet. So konnten die Noten letztlich nur aufgrund der guten Verbindungen Rudolf Heidlers zum ehemaligen Dirigenten und dem Geschäftsführer des Leipziger Orchesters zur Verfügung gestellt werden. Damit konnte das Projekt in einer Kooperation mit der Opernklasse der Hochschule für Musik Karlsruhe und einmal mehr mit dem Motettenchor Achern umgesetzt werden. Zwei äußerst erfolgreiche konzertante Aufführungen im Theater in der Heckel eröffneten die beiden Jubiläen der Stadt Achern sowie der Stadtkapelle. Mit diesem Projekt ist die wohl größte musikalische Herausforderung nicht nur in der Schaffenszeit Rudolf Heidlers sondern wohl in der ganzen 200jährigen Geschichte der Stadtkapelle Achern zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht worden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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